Mailchimp-Alternative 2026: 5 Newsletter-Tools im Vergleich
Bei Mailchimp zahlst du für Kontakte, nicht für Newsletter, auch für die 3.000 Karteileichen, denen du seit zwei Jahren nichts schickst. Wir vergleichen fünf Alternativen und rechnen vor, wann sich welcher Wechsel lohnt.
Es gibt einen Moment, den fast jeder Mailchimp-Kunde kennt: Die Liste ist über Jahre auf ein paar Tausend Adressen gewachsen, der Newsletter erscheint vielleicht alle sechs Wochen, und die monatliche Rechnung steigt trotzdem weiter. Der Grund ist kein Fehler im System, sondern das System selbst: Abgerechnet wird nach Kontakten, nicht nach Versand. Eine Adresse, der du nie wieder schreibst, kostet exakt so viel wie dein bester Kunde.
Das ist der häufigste Anlass, nach einer Mailchimp-Alternative zu suchen. Es ist nicht der einzige. Dieser Beitrag sortiert die Gründe, stellt fünf Alternativen mit ihren echten Grenzen vor und rechnet den Punkt aus, an dem sich der Umzug lohnt.
Alle Angaben zu Tarifen und Funktionen der Anbieter haben wir am 7. Oktober 2026 auf deren offiziellen Preis-, Hilfe- und Datenschutzseiten geprüft, der Link steht jeweils im Satz. E-Mail-Anbieter ändern ihre Tarife häufig. Prüfe vor einer Entscheidung die aktuelle Preisseite des jeweiligen Anbieters.
Woran sich Mailchimp-Kunden reiben
1. Der Preis skaliert mit der falschen Größe
Mailchimp staffelt nach Kontakten. Das belohnt große Versandfrequenz und bestraft gepflegte, aber ruhige Listen. Zwei Unternehmen mit je 5.000 Adressen zahlen gleich viel, egal ob eines wöchentlich schreibt und das andere zweimal im Jahr. Wer saisonal kommuniziert (Coaches, Veranstalter, Handwerk, Beratung), subventioniert damit die Vielversender.
Dazu kommt ein Detail, das viele erst auf der Rechnung bemerken. Laut Mailchimps Hilfeseite zu den Tarifen zählen angemeldete, abgemeldete und nie angemeldete Kontakte gleichermaßen zur Kontaktzahl (Stand: 7. Oktober 2026). Wer nicht aufräumt, bezahlt also auch für Menschen, die längst Nein gesagt haben. Die kostenlose Stufe endet laut Preisseite bei 250 Kontakten und 500 E-Mails im Monat (Stand: 7. Oktober 2026).
2. Der Datenschutz-Aufwand bleibt an dir hängen
Mailchimp gehört zu Intuit, sitzt in den USA und übermittelt personenbezogene Daten aus der EU dorthin. Als Grundlage nennt Mailchimp auf seiner DSGVO-Seite die Zertifizierung unter dem EU-US-Datenschutzrahmen und Standardvertragsklauseln im Nachtrag zur Datenverarbeitung (Stand: 7. Oktober 2026). Der Datenschutzrahmen beruht auf einem Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission vom 10. Juli 2023. Rechtlich ist das abbildbar. Es bleibt aber Arbeit: Auftragsverarbeitungsvertrag, Eintrag im Verarbeitungsverzeichnis und ein Passus in der Datenschutzerklärung, der die Übermittlung in die USA offenlegt. Dieser Text ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung; im konkreten Fall entscheidet dein Anwalt oder Datenschutzbeauftragter. Wer das schon einmal durchziehen musste, kennt den Reiz einer Lösung, bei der die Liste den eigenen Server nie verlässt. Der verwandte Themenkomplex Einwilligungen steht in unserem Beitrag über Cookie-Consent und DSGVO.
3. Der Umzug wird mit jedem Jahr teurer
Adressen lassen sich exportieren, das ist unstrittig. Was nicht mitkommt: Automationen, Segment-Logik, Kampagnen-Historie, Öffnungs- und Klickverläufe. Je länger ein Verteiler in einem System lebt, desto mehr unsichtbare Arbeit steckt darin, und desto größer wird die Hemmschwelle. Das ist kein Vorwurf an Mailchimp, sondern die Natur solcher Werkzeuge. Es ist aber ein Argument, die Entscheidung früher zu treffen als später.
Die fünf Alternativen
Brevo: der schnelle Kostenhebel
Brevo (früher Sendinblue) dreht das Preismodell um: Abgerechnet wird nach dem E-Mail-Volumen, nicht nach der Größe der Liste. Laut Brevo-Preisseite beginnt das Starter-Paket bei 5.000 E-Mails im Monat, die freie Stufe erlaubt 300 E-Mails pro Tag, und wer selten verschickt, kann Guthaben kaufen, das nicht verfällt (Stand: 7. Oktober 2026). Bei 8.000 Adressen und sechs Newslettern im Jahr bezahlst du damit 48.000 versendete Mails, nicht zwölf Monate lang 8.000 Kontakte. Hinter Brevo steht die Sendinblue SAS in Paris, die Server stehen laut Sicherheitsseite in der EU. Der Datenschutz-Papierkram schrumpft spürbar. Grenzen: Der Editor ist weniger poliert als Mailchimps, und ohne bezahltes Paket bleibt es beim Tageslimit. Wer heute den größten Kostenblock loswerden will, ohne die Architektur zu ändern, landet hier.
MailerLite: schlank, mit Vertragspartner in der EU
MailerLite ist die aufgeräumte Variante des klassischen Newsletter-SaaS: guter Editor, faire Preise, angenehm wenig Ballast. Wie Mailchimp rechnet MailerLite nach Abonnenten, dazu zählt das Versandvolumen. Die freie Stufe reicht laut MailerLite-Preisseite bis 250 Abonnenten und 2.500 E-Mails im Monat (Stand: 7. Oktober 2026). Der Sprung ist also einer im Preis, nicht im Modell. Beim Datenschutz steht MailerLite besser da als sein Ruf: Für Kunden mit Rechnungsadresse im EWR ist laut Datenschutzerklärung die MailerLite Limited in Dublin Vertragspartner, und das Rechenzentrum steht in der EU (Stand: 7. Oktober 2026). Für die KI-Schreibhilfen nennt dieselbe Erklärung OpenAI und Google als Verarbeiter; wer sie nutzt, nimmt das ins Verarbeitungsverzeichnis auf. Für Einzelunternehmer mit kleiner, aktiver Liste ist MailerLite die freundlichste Umgebung im Feld.
MailPoet: der Newsletter im WordPress-Backend
Mit MailPoet wandert der Verteiler zurück in die eigene Installation: Abonnenten liegen in der WordPress-Datenbank, Newsletter entstehen im Backend, WooCommerce-Anbindung inklusive. Der Versand läuft wahlweise über den hauseigenen MailPoet Sending Service, den eigenen Server oder einen SMTP-Dienst. Die kostenlose Stufe Starter reicht laut MailPoet-Preisseite bis 500 Abonnenten und 5.000 E-Mails im Monat, darüber richtet sich der Preis nach der Abonnentenzahl (Stand: 7. Oktober 2026). Für Shops, die Bestellbestätigungen und Newsletter aus einer Hand wollen, ist MailPoet der kürzeste Weg.
FluentCRM: self-hosted mit Automationen
FluentCRM ist der ausgereifteste Vertreter der Kategorie „CRM im eigenen WordPress“: Kontakte, Tags, Listen, ordentliche Automations-Sequenzen, gute Anbindung an Kurs- und Shop-Plugins. Bezahlt wird nach der Zahl der Websites, nicht nach der Größe der Liste: Die Lizenz für eine Website kostet laut FluentCRM-Preisseite regulär 129 US-Dollar im Jahr, mit unbegrenzten Kontakten (Stand: 7. Oktober 2026). Wer echte, verzweigte Automationen braucht und sie trotzdem selbst hosten will, ist hier derzeit am besten aufgehoben. Eine Sales-Pipeline mit Deals führt FluentCRM weder auf der Start- noch auf der Preisseite auf. Vertriebsarbeit bildet man dort über Tags ab.
Kurato: Kontakte, Pipeline, Newsletter und Termine an einem Ort
Unser eigenes Plugin, deshalb hier mit offenem Visier. Kurato ist das Marketing-CRM der Hafenstudios-Flotte und deckt vier Dinge ab, die sonst vier Werkzeuge sind: Kontakte mit Tags und Segmenten, eine Sales-Pipeline als Kanban-Board, Newsletter mit Double-Opt-in, Abmeldung und Preference Center sowie eine Terminbuchung mit ICS-Dateien. Alles liegt in deiner WordPress-Datenbank; an uns fließen keine Daten.
Beim Versand geht Kurato den BYO-Weg: Du hinterlegst die Zugangsdaten deines eigenen Dienstes: Brevo, Postmark, Mailgun, SMTP2GO, Amazon SES oder klassisches SMTP. Das klingt nach mehr Aufwand und ist es beim ersten Einrichten auch. Dafür bist du von keinem Anbieter abhängig: Wird dein Versanddienst teuer oder unzuverlässig, tauschst du ihn aus, ohne die Liste anzufassen.
Die Free-Version ist ungewöhnlich vollständig: unbegrenzte Kontakte, Pipeline, Newsletter mit DOI, Terminbuchung für einen Ansprechpartner und die DSGVO-Werkzeuge komplett. Kurato Pro (99 Euro pro Jahr für drei Websites) ergänzt Auswertungen zu Öffnungen und Klicks, KI-Textentwürfe, unbegrenzte Ansprechpartner in der Terminbuchung und einen Cockpit-Zugang für Teamarbeit. Alle Stufen stehen auf der Preisseite.
Und die Grenzen, weil sie zur Entscheidung gehören: Verzweigte Automations-Sequenzen sind noch in Arbeit. Wer heute mehrstufige Willkommensstrecken mit Bedingungen braucht, ist bei FluentCRM oder Mailchimp besser bedient. Kurato Pro kannst du außerdem direkt buchen; die Free-Version ist sofort einsatzbereit. Und die Zustellbarkeit bleibt bei jeder selbst gehosteten Lösung deine Aufgabe. Google verlangt laut seinen Richtlinien für E-Mail-Absender von jedem Absender an Gmail-Konten SPF oder DKIM, ab 5.000 Mails am Tag beides, dazu DMARC und eine Abmeldung mit einem Klick (Stand: 7. Oktober 2026). Ohne diese Einträge landet auch der schönste Newsletter im Spam-Ordner.
Vergleichstabelle
| Lösung | Abrechnung | Liste liegt | Automationen | Sales-Pipeline | Datenstandort |
|---|---|---|---|---|---|
| Mailchimp | pro Kontakt, auch abgemeldete | beim Anbieter | umfangreich | rudimentär | USA (EU-US-Datenschutzrahmen) |
| Brevo | nach E-Mail-Volumen | beim Anbieter | solide | ja (CRM-Modul) | EU |
| MailerLite | pro Abonnent | beim Anbieter | solide | nein | EU (für Kunden aus dem EWR) |
| MailPoet | pro Abonnent | eigener Server | einfach | nein | eigener Server, Versanddienst nach Wahl |
| FluentCRM | pro Website | eigener Server | verzweigt | über Tags | eigener Server, Versanddienst nach Wahl |
| Kurato | Free / 99 € Jahr | eigener Server | in Arbeit | Kanban-Board | eigener Server, Versanddienst nach Wahl |
Der Denkfehler bei der Kostenrechnung
Beim Vergleich wird fast immer die Lizenz gegen die Lizenz gerechnet und dabei übersehen, dass sich die Kosten aus drei Posten zusammensetzen: Werkzeug, Versand und Arbeit. Ein SaaS-Abo bündelt alle drei in einer Zahl. Eine selbst gehostete Lösung trennt sie: Das Plugin kostet einmal im Jahr, der Versand läuft über einen Transaktionsdienst, und die Einrichtung von SPF, DKIM und DMARC kostet dich einmalig ein bis zwei Stunden. Wie klein der Versandposten ausfällt, zeigt Amazon SES: Die SES-Preisseite nennt 0,10 US-Dollar pro 1.000 E-Mails (Stand: 7. Oktober 2026).
Unsere Faustregel: Unterhalb von etwa 500 Adressen ist der Wechsel Beschäftigungstherapie. Bleib, wo du bist. Zwischen 500 und 2.000 Adressen entscheidet die Versandfrequenz: Wer selten schreibt, spart mit einem E-Mail-basierten Modell wie Brevo sofort. Ab etwa 2.000 Adressen wird das Selbsthosten regelmäßig günstiger, und ab 5.000 ist der Unterschied deutlich genug, dass sich auch die Umzugsarbeit rechnet.
Newsletter, Kontakte und Termine im eigenen WordPress
Kurato: unbegrenzte Kontakte, Sales-Pipeline als Kanban, Newsletter mit Double-Opt-in, Terminbuchung. DSGVO-first auf deinem Server, Versand über deinen eigenen Anbieter. Free-Version ohne Kontaktlimit.
Häufige Fragen
Was ist die günstigste Mailchimp-Alternative?
Für unregelmäßige Newsletter ist Brevo meist am günstigsten, weil nach E-Mail-Volumen statt nach Kontakten abgerechnet wird. Wer selten verschickt, kann dort auch Guthaben kaufen, das laut Brevo nicht verfällt. Bei großen Listen ist eine selbst gehostete Lösung wie Kurato oder FluentCRM langfristig billiger, weil die Lizenzkosten nicht mit der Adresszahl wachsen.
Gibt es eine Mailchimp-Alternative mit Servern in der EU?
Ja: Brevo betreibt seine Server nach eigener Angabe in der EU, und MailerLite nennt für Kunden aus dem EWR einen irischen Vertragspartner und ein Rechenzentrum in der EU (geprüft am 7. Oktober 2026). Noch weiter geht eine selbst gehostete Lösung wie MailPoet, FluentCRM oder Kurato, denn dort liegt die Liste auf deinem eigenen Server. Den Versand übernimmt dann ein Dienst deiner Wahl, mit dem du einen Auftragsverarbeitungsvertrag schließt.
Kann ich meine Mailchimp-Kontakte einfach umziehen?
Die Adressen und Basisfelder lassen sich als CSV exportieren und in jedes andere Werkzeug importieren. Was nicht mitkommt, sind Automationen, Segment-Logik und die Kampagnen-Historie. Diese Teile musst du im neuen System nachbauen. Wichtig: Die Einwilligungen deiner Abonnenten musst du dokumentiert übernehmen.
Ist ein selbst gehosteter Newsletter DSGVO-sicherer?
Er vereinfacht die Lage deutlich, weil die Kontaktdaten den eigenen Server nicht verlassen und kein Drittlandtransfer zu dokumentieren ist. Ganz ohne Dienstleister geht es aber selten: Der eigentliche Versand läuft über einen Transaktionsanbieter, mit dem du einen Auftragsverarbeitungsvertrag brauchst. Beim Anbieter liegen dann Versanddaten, nicht dein ganzer Verteiler.
Brauche ich für Kurato einen eigenen E-Mail-Anbieter?
Ja. Kurato versendet über deinen eigenen Zugang bei Brevo, Postmark, Mailgun, SMTP2GO, Amazon SES oder klassisches SMTP. Das hält dich unabhängig von einem einzelnen Anbieter, bedeutet aber, dass du diesen Zugang einmal einrichten musst, inklusive SPF-, DKIM- und DMARC-Einträgen für die Zustellbarkeit.
Kann Kurato mehrstufige Automationen wie Mailchimp?
Noch nicht. Verzweigte Sequenzen stehen auf der Entwicklungsliste. Kurato deckt heute Kontaktverwaltung, Segmente, Sales-Pipeline, Newsletter mit Double-Opt-in und Terminbuchung ab. Wer verzweigte Willkommensstrecken mit Bedingungen braucht, ist aktuell bei FluentCRM oder bei Mailchimp selbst besser aufgehoben.