Drei blinde Flecken in Ihrer Statistik, und was in der Lücke steckt
Google Analytics zeigt Ihnen die Menschen, die auf „Akzeptieren" geklickt haben. Alle anderen fehlen, und zwar spurlos. Dazu kommen zwei Besuchergruppen, die es 2020 noch gar nicht gab: KI-Crawler, die Ihre Texte lesen, und Menschen, die über ChatGPT oder Perplexity auf Ihrer Seite landen. Seit heute zählt unser Werbe-Plugin beides mit.
Es gibt eine Zahl, die fast jeder Seitenbetreiber kennt und fast niemand hinterfragt: die Nutzerzahl der letzten sieben Tage. Sie steht im Bericht, sie wird weitergegeben, sie landet in Angeboten und Mediadaten. Und sie beschreibt nicht die Besucher Ihrer Website, sondern eine Teilmenge davon.
Blinder Fleck 1: alle, die abgelehnt haben
Der Mechanismus ist simpel. Analytics lädt erst nach der Zustimmung, also zählt es nur die Zustimmenden. Wer ablehnt, das Banner wegklickt oder einen Blocker nutzt, hinterlässt keine Spur.
Bei großen Portalen gleicht Google einen Teil davon rechnerisch aus, das nennt sich Modellierung. Für kleine Seiten gilt das nicht: Unterhalb von etwa tausend Ereignissen pro Tag wird nichts modelliert. Aus der Lücke wird also keine Schätzung, sondern schlicht nichts.
Wie groß die Lücke ist, weiß niemand pauschal, weil die Zustimmungsquote von Zielgruppe, Bannergestaltung und Thema abhängt. Deshalb ist die einzige sinnvolle Antwort, sie auf der eigenen Seite zu messen statt eine Studie zu zitieren.
Blinder Fleck 2: die Maschinen, die mitlesen
Seit zwei Jahren liest eine neue Gruppe Ihre Texte, und sie taucht in keinem Analytics-Bericht auf: GPTBot von OpenAI, ClaudeBot von Anthropic, PerplexityBot, dazu die Crawler von Google, Microsoft, Meta, Apple, ByteDance, Amazon, Common Crawl und Mistral. Sie führen kein JavaScript aus, also existieren sie für ein Analytics-Skript nicht.
Das ist mehr als eine Kuriosität. Wenn Ihre Inhalte in Antworten auftauchen sollen, ist die erste Frage, ob sie überhaupt gelesen werden, und die zweite, welche Seiten. Beides ist serverseitig beantwortbar, weil diese Crawler sich zu erkennen geben.
Blinder Fleck 3: Besucher, die eine KI geschickt hat
Der Gegenpart dazu: Menschen, die aus ChatGPT, Perplexity, Claude, Copilot oder Gemini heraus auf Ihrer Seite landen. Die zählt Analytics durchaus mit, aber es wirft sie in denselben Topf wie einen Forenlink, irgendwo zwischen Pinterest und einer Signatur.
Für die Frage, ob sich Inhalte für die Antwortmaschinen lohnen, ist genau das der interessante Kanal. Er gehört getrennt ausgewiesen, je Tag und je Landeseite.
Was Sonar daraus macht
Seit Version 2.6.0 steckt in unserem Werbe-Plugin ein eigener Reiter, der diese drei Lücken schließt, plus eine Prüfung, die dort logisch hingehört. Alles bleibt in Ihrer Datenbank, es geht kein Aufruf nach außen.
Die Zählung
Ein Skript unter zwei Kilobyte läuft, nachdem die Seite fertig aufgebaut ist. Weil es im Browser ausgeführt wird, zählt es auch Seiten mit, die aus einem Cache kommen, was serverseitige Zähler regelmäßig verpassen.
Eindeutige Besucher entstehen aus einem Hash von Adresse und Browserkennung, gesalzen mit einem Zufallswert, der um Mitternacht verworfen wird. Danach ist die Zuordnung nicht mehr herstellbar, auch nicht von uns und auch nicht rückwirkend. Die Adresse selbst wird nie geschrieben.
Die Crawler
44 Kennungen, serverseitig erkannt, gruppiert nach Anbieter und nach den Seiten, die tatsächlich abgerufen wurden. Ein Besucher, der kein Crawler ist, löst dabei keine einzige Datenbankoperation aus.
Die Herkunft
Besuche aus elf KI-Assistenten werden als eigener Kanal geführt, je Tag und Landeseite. Andere Verweisquellen werden nicht gespeichert, es entsteht also keine allgemeine Herkunftsdatenbank nebenbei.
Die Consent-Prüfung
Bei Erstbesuchern, die noch nicht entschieden haben, sieht Sonar nach, ob ein vollwertiger Analytics- oder Pixel-Aufruf rausgegangen ist, und nennt den Host. Rot heißt voller Treffer, Gelb ein cookieloser Consent-Mode-Ping, Grün nichts gesendet. Warum das ein verbreitetes Problem ist und welche vier Ursachen dahinterstecken, steht in unserem Beitrag über Tracking vor der Einwilligung.
Die Dunkelziffer
Sie tragen die Nutzerzahl der letzten sieben Tage aus Google Analytics von Hand ein, Sonar stellt die eigene Zählung daneben und rechnet den Faktor aus, zusammen mit der Zustimmungsquote Ihres Banners. Ohne Ihre Eingabe wird nichts geschätzt. Das ist Absicht: Eine geratene Dunkelziffer wäre genau der Fehler, den der ganze Reiter vermeiden soll.
Was Sonar nicht kann
Drei Grenzen, die im Plugin an jeder Zahl stehen und deshalb auch hier stehen:
- Besucher mit Skriptblocker fehlen. Sie werden nicht geschätzt und nicht hochgerechnet. Sie fehlen, und der Reiter sagt das an der Zahl.
- Hinter einem Seiten-Cache sieht der Server nur die Crawler-Zugriffe, die den Cache verfehlen. Die Crawler-Zahlen sind damit eine Untergrenze, keine Vollerhebung.
- Die Consent-Prüfung ist eine Prüfung, keine Überwachung. In der kostenlosen Fassung sehen Sie den Befund im Backend. Eine dauerhafte Wache, die sich per Mail meldet, gibt es nicht.
Ebenfalls nicht gebaut, auch wenn es naheliegt: eine automatische Anbindung an Google Analytics, ein Import aus Server-Logdateien, eine Lesekarte je Seite. Das ist geplant, aber es existiert nicht, und solange es nicht existiert, wird es hier nicht beschrieben.
Warum das in einem Werbe-Plugin steckt
Die Frage ist berechtigt. Die Antwort hat mit der Entstehung zu tun: Sonar ist aus einer Messung entstanden, bei der wir 40 Websites daraufhin angesehen haben, ob sie vor der Einwilligung Daten senden. Bei der Auswertung fiel auf, dass die eigentliche Frage nie gestellt wird, nämlich wer eigentlich alles da war und wer in der Statistik fehlt.
Wer Anzeigen ausspielt, braucht diese Zahl ohnehin. Eine Anzeige wird jedem Besucher gezeigt, auch dem, der den Banner ablehnt. Wenn die Reichweite aus Analytics kommt, die Anzeige aber alle erreicht, weichen Bericht und Wirklichkeit auseinander, und zwar zu Ihren Ungunsten.
Ausprobieren
Sonar ist Teil von Hafenstudios Ads ab Version 2.6.0, kostenlos im WordPress-Verzeichnis. Nach der Aktivierung dauert es ein bis zwei Tage, bis die Zahlen etwas aussagen, weil die Zählung ab dem Einschalten läuft und nichts rückwirkend rekonstruiert.
Der ehrlichste erste Schritt ist trotzdem ein anderer, und er kostet zwei Minuten: Sehen Sie nach, ob Ihre Seite vor der Entscheidung Ihrer Besucher sendet. Wie das geht, steht hier.