7.740 Seiten mit Weiterleitung: was die Search Console bei Bauerntüte zeigte
In der Search Console unseres Kunden Bauerntüte stand eine große Zahl: 7.740 Seiten mit Weiterleitung. Die naheliegende Frage war, ob unser eigenes Weiterleitungs-Plugin Linkjet dahintersteckt, das wir dort einsetzen. Wir haben nachgezählt und die Quellen getrennt. Linkjet war für den kleinsten Teil verantwortlich, und trotzdem haben wir in unseren eigenen Regeln aufgeräumt.
Die Frage kam mit einem Screenshot aus der Search Console: 7.740 Seiten mit Weiterleitung, und ob das an Linkjet liege. Linkjet ist unser Weiterleitungs-Plugin, und auf der Website der Bauerntüte setzen wir es selbst ein. Die Bauerntüte ist ein Bio-Lieferdienst aus Köln mit einem WooCommerce-Shop auf dem Theme Enfold und mehreren hundert Seiten und Beiträgen. Seit August 2026 kümmern wir uns dort um Suchmaschinen, Ladezeit und Conversion.
Eine Zahl dieser Größe fühlt sich nach einem Fehler an. Bevor wir irgendetwas umgebaut haben, wollten wir wissen, woher sie kommt.
Was der Bericht „Seite mit Weiterleitung“ bedeutet
Im Indexierungsbericht der Search Console stehen unter „Seite mit Weiterleitung“ Adressen, die Google aufgerufen hat und die auf eine andere Adresse weiterleiten. Google indexiert dann das Ziel, nicht die alte Adresse. Das ist der Normalfall jeder Website, die schon ein paar Jahre lebt: Produkte werden umbenannt, Kategorien zusammengelegt, Tippfehler in Links abgefangen.
Interessant wird der Bericht erst bei drei Fragen. Wer leitet um? Wohin? Und zeigen eigene Links oder die Sitemap noch auf die alten Adressen?
Zuerst die Zeitachse
Die Search Console zeigt den Verlauf des Berichts. Der Wert stieg am 13. Juli 2026 von rund 5.600 auf 7.100 und am 24. Juli auf 7.500. Linkjet kam erst am 6. August auf die Seite. Im August stieg die Zahl noch einmal um etwa 300, und das passt zu den Weiterleitungen, die wir beim Zusammenlegen doppelter Seiten selbst angelegt hatten.
Damit war die Richtung klar: Der große Teil war älter als unser Plugin. Wer ihn verursacht hatte, zeigte erst der nächste Schritt.
Wer leitet um: die Kopfzeile X-Redirect-By
WordPress schreibt bei seinen eigenen Weiterleitungen eine Kopfzeile in die Antwort, die den Auslöser nennt. Viele Plugins machen es genauso. Eine Abfrage der Kopfzeilen genügt:
curl -I "https://example.com/alte-adresse/"
HTTP/1.1 301 Moved Permanently
Location: https://example.com/neue-adresse/
X-Redirect-By: WordPress
WordPress setzt dort WordPress, Yoast setzt Yoast SEO, Linkjet setzt Linkjet. Fehlt die Zeile, kommt die Weiterleitung meist vom Server oder von einem Plugin, das sich nicht zu erkennen gibt.
Wir haben 500 Beispiel-Adressen aus dem Bericht exportiert, 407 davon eindeutig einer Gruppe zuordnen können und bei 60 die Kopfzeilen abgefragt. Das Ergebnis:
| Anteil | Was es war | Wer leitet um |
|---|---|---|
| rund 62 % | Sortier-Adressen aus dem Shop mit avia_extended_shop_select und paged=1 | WordPress |
| rund 26 % | alte Adressen direkt unter der Domain, etwa /kiwi/ | überwiegend Linkjet, Tippfehler der WordPress-Kern |
| rund 5 % | alte Produktadressen unter /produkt/ | überwiegend Linkjet |
In der Stichprobe der 60 abgefragten Adressen leitete Linkjet 41-mal um, WordPress 19-mal, Yoast kein einziges Mal. Für die Gesamtzahl gibt es eine harte Obergrenze: Linkjet hatte zu diesem Zeitpunkt 558 Regeln. Selbst wenn jede davon im Bericht steht, sind das höchstens 7 Prozent der 7.740.
Eine Kleinigkeit am Rande: Wer /kiwi/ tippt und bei der passenden Seite landet, verdankt das nicht Linkjet. Linkjet leitet nur bei einer exakt passenden Regel um. Das Raten übernimmt der WordPress-Kern mit der Funktion redirect_guess_404_permalink, die zu einer unbekannten Adresse einen ähnlichen Beitrag sucht.
Der größte Teil: das Sortierformular von Enfold
Enfold bringt auf Shop-Kategorien und Herstellerseiten ein Formular mit, über das Besucher Sortierung und Anzahl der Produkte wählen. Jede Wahl erzeugt eine eigene Adresse mit Parametern, etwa so:
/produkt-kategorie/gesamtsortiment/?avia_extended_shop_select=yes
&product_count=24&product_order=asc&paged=1
Das paged=1 am Ende ist überflüssig, denn Seite 1 ist die Kategorie selbst. WordPress entfernt es deshalb mit einer Weiterleitung. Der Googlebot folgt den Formular-Varianten, findet tausende Kombinationen, und jede davon landet im Bericht. Das geht bei der Bauerntüte nachweislich schon seit Jahren so. Dazu kamen Adressen mit dem Parameter wpam_id eines Affiliate-Plugins, das gar nicht mehr installiert ist.
Diese Adressen haben für Google keinen eigenen Wert. Wir haben sie deshalb über die robots.txt vom Crawlen ausgenommen. Die Datei ist in WordPress virtuell, sie lässt sich über den Filter robots_txt ergänzen:
add_filter( 'robots_txt', function ( $ausgabe ) {
return $ausgabe . "Disallow: /*avia_extended_shop_select=
Disallow: /*wpam_id=
";
} );
Die Kategorien selbst bleiben erreichbar und indexierbar, nur die Sortier-Varianten werden nicht mehr gecrawlt. Ein Hinweis zur Vorsicht: Ein Disallow verhindert das Crawlen, nicht das Indexieren. Für Adressen, die nie im Index waren, reicht das. Stehen solche Adressen bereits im Index, brauchen sie ein noindex, und das kann Google nur lesen, wenn es crawlen darf.
Was wir in unseren eigenen Regeln gefunden haben
Linkjet war nicht die Ursache der großen Zahl. Beim Durchsehen aller Regeln fanden wir trotzdem zwei Baustellen, und beide hatten wir selbst angelegt.
Die erste: Ein Skript, mit dem wir verwaiste Adressen aufgefangen hatten, kannte für Adressen ohne passendes Ziel einen Rückfallpunkt, die Gesamtübersicht des Shops. 237 Regeln zeigten dorthin. Darunter waren auch Adressen, die nie Inhalte waren: /cgi-bin, /api/graphql, /signin, /vendor und ähnliche Pfade, die automatische Scanner auf jeder Website abklopfen. Sie leiteten Bots in den Shop. Viele Weiterleitungen auf ein einziges allgemeines Ziel kann Google als Soft 404 werten, als Seite also, die es eigentlich nicht mehr gibt. 30 solcher Regeln haben wir gelöscht, die Pfade antworten wieder mit 404. Die übrigen Rückfall-Regeln betreffen alte Blog- und Shop-Adressen, die früher echte Inhalte hatten. Für sie suchen wir jetzt einzeln ein besseres Ziel.
Die zweite: 14 Regeln zeigten auf Ziele, die selbst weiterleiten, zum Beispiel auf ein Produkt, das später einen neuen Namen bekommen hatte. Solche Ketten kosten bei jedem Aufruf einen zusätzlichen Sprung. Wir haben jede Regel direkt auf das Endziel gesetzt.
Beides fällt in keinem Bericht der Search Console als Fehler auf. Es zeigt sich nur, wenn man die eigenen Regeln Zeile für Zeile durchgeht und jedes Ziel einmal aufruft.
Warum die Zahl wieder steigen wird
Ein zweiter Bericht hing mit dem ersten zusammen. Unter „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“ standen Anfang Oktober 1.573 Adressen, fast alle davon Feeds: /tag/…/feed/, /category/…/feed/, /produkt/…/feed/. WordPress erzeugt für viele Archive und sogar für einzelne Produkte einen eigenen Feed. Für einen Shop hat davon kaum einer einen Nutzen.
Wir haben diese Nebenfeeds auf ihre Elternseite umgeleitet, den Hauptfeed des Blogs ausgenommen. Die Folge ist auf den ersten Blick paradox: Beim nächsten Crawl verschwinden die Feeds aus „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“ und tauchen unter „Seite mit Weiterleitung“ wieder auf. Die Zahl, mit der alles anfing, steigt also. Genau so soll es sein, denn jetzt landet der Crawler auf einer Seite mit Inhalt.
Was du für deine eigene Website mitnimmst
- Lies den Verlauf, bevor du handelst. Ein Sprung an einem bestimmten Tag passt meist zu einer Änderung an genau diesem Tag: ein neues Plugin, ein Theme-Update, eine Umstellung im Shop.
- Frag die Kopfzeilen.
curl -Iund die ZeileX-Redirect-Bysagen dir in Sekunden, wer eine Weiterleitung auslöst. Zehn Stichproben je Gruppe reichen für ein klares Bild. - Prüfe dein Theme auf Parameter-Adressen. Sortier- und Filterformulare erzeugen unzählige Varianten. Was keinen eigenen Wert hat, gehört nicht in den Crawl.
- Leite nichts gesammelt auf ein Sammelziel. Jede alte Adresse sollte auf ihren besten Ersatz zeigen. Bei der Bauerntüte führen alte Seiten zum Lieferservice für Büros, etwa
/lieferservice-fuer-firmen-und-bueros/, heute auf die Seite zum Firmenobst. Gibt es keinen passenden Ersatz, ist ein 404 ehrlicher als der Shop oder die Startseite. - Führe doppelte Beiträge zusammen. Zwei Beiträge zum selben Thema konkurrieren in der Suche miteinander. Bei der Bauerntüte sind das zum Beispiel zwei Texte über Kapern. Der kürzere soll per 301 auf den ausführlichen Ratgeber Kapern: Herkunft, Sorten und Verwendung zeigen, damit sich die Signale an einer Stelle sammeln.
- Halte Ketten kurz. Prüfe bei jeder neuen Weiterleitung, ob ihr Ziel selbst weiterleitet. Linkjet meldet Ketten, andere Plugins zeigen sie oft nicht an.
- Schau auf deine eigenen Links. Interne Links und die Sitemap sollten auf das Endziel zeigen, nie auf eine Adresse, die erst weiterleitet.
Wie du Weiterleitungen in WordPress grundsätzlich sauber anlegst, steht im Beitrag 301-Weiterleitung in WordPress einrichten. Wer bisher mit dem Plugin Redirection arbeitet, findet einen Vergleich im Beitrag Redirection Alternative: Wann sich der Umstieg auf Linkjet lohnt.
Was diese Fallstudie nicht zeigt
Wir haben gezählt, zugeordnet und aufgeräumt. Was das für die Rankings der Bauerntüte bedeutet, haben wir nicht gemessen und behaupten es deshalb nicht. Die Berichte der Search Console ändern sich mit jedem Crawl, und Google besucht nicht jede Adresse gleich oft. Die Zahlen oben stammen aus der Analyse vom September und dem Stand im Oktober 2026.
Beim Aufräumen sind wir im 404-Protokoll auf ein zweites, größeres Problem gestoßen: Crawler, die über die Sortierlinks des Shops hunderttausendfach Produkte in Warenkörbe legten. Was dahintersteckt, steht im Beitrag 616.000 Aufrufe mit add-to-cart in acht Tagen: die Warenkorb-Falle.
Steht bei dir eine große Zahl in der Search Console?
Schick uns einen Screenshot. Wir sagen dir, welche Gruppen dahinterstecken und ob sich ein Eingriff lohnt. Weiterleitungen verwaltest du mit Linkjet, mit Kettenprüfung und Klickzählung.
Häufige Fragen
Ist „Seite mit Weiterleitung“ in der Search Console ein Fehler?
Für sich genommen nicht. Google listet dort Adressen, die auf eine andere Adresse weiterleiten, und indexiert stattdessen das Ziel. Aufmerksam werden solltest du, wenn interne Links oder die Sitemap auf solche Adressen zeigen, wenn Weiterleitungen in Ketten hängen oder wenn viele alte Adressen auf ein unpassendes Ziel führen.
Wie finde ich heraus, wer eine Weiterleitung auslöst?
Lies die Kopfzeilen der Antwort, zum Beispiel mit curl -I und der Adresse. WordPress selbst setzt bei seinen Weiterleitungen die Kopfzeile X-Redirect-By mit dem Wert WordPress, Yoast setzt Yoast SEO, Linkjet setzt Linkjet. Fehlt die Kopfzeile, kommt die Weiterleitung meist vom Server, etwa aus der .htaccess, oder von einem Plugin, das sich nicht kenntlich macht.
Warum kann die Zahl der Weiterleitungen nach einer Reparatur steigen?
Weil Adressen von einem Bericht in den anderen wandern. Leitest du zum Beispiel überflüssige Feeds auf ihre Elternseite um, stehen sie vorher unter „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“ und nach dem nächsten Crawl unter „Seite mit Weiterleitung“. Die Zahl steigt, und genau so soll es sein.
Soll ich alte Adressen gesammelt auf die Startseite oder den Shop umleiten?
Besser nicht. Jede alte Adresse sollte auf die Seite zeigen, die ihren Inhalt am besten ersetzt. Viele Weiterleitungen auf ein einziges allgemeines Ziel kann Google als Soft 404 werten, also wie eine Seite, die es nicht mehr gibt. Gibt es keinen passenden Ersatz, ist ein ehrliches 404 oft die bessere Antwort.